Heinrich Jungebloedt Mosaiken

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete Heinrich Jungebloedt gemeinsam mit Elisabeth Jeske die Mosaikwerkstatt Heinrich Jungebloedt Mosaiken in Schulzendorf. Beide waren zuvor für die renommierte Firma Vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff tätig. Die Werkstatt fertigte zahlreiche Mosaikkunstwerke, vorwiegend für Neubauten in der Sowjetischen Besatzungszone, und widmete sich zugleich der Restaurierung kriegszerstörter antiker Mosaike. Über die Jahrzehnte entstand ein umfangreicher Fundus wertvoller Materialien aus unterschiedlichen Epochen der Mosaikkunst, der sich im Schulzendorfer Haus ansammelte.
Helmut Mencke führte die Werkstatt nach dem Tod von Elisabeth Jeske weiter.

Der erste Kontakt zwischen Joana Pomm und Helmut Mencke fällt in die Zeit ihrer Diplomarbeit zu Mosaiken an Grabmalen auf dem Stahnsdorfer Friedhof. Es entsteht ein persönlicher Austausch, der von fachlicher Unterstützung geprägt ist. Helmut Mencke stellt auch über das Ende seiner offiziellen Tätigkeit im Jahr 2007 hinaus weiterhin hochwertige Ergänzungsmaterialien zur Verfügung und begleitet Restaurierungsarbeiten teilweise auch vor Ort.
Nach dem Tod Helmut Menckes im Jahr 2018 übernimmt Joana Pomm in dankbarer Verbundenheit und im Einvernehmen mit seiner Tochter Uta von Unger sowie deren Ehemann Jobst von Unger den Materialbestand der Werkstatt Heinrich Jungebloedt, um diesen in seinem Sinne zu bewahren und weiterzuführen.

PUBLIKATIONEN
Im Zuge der Aufarbeitung der mit der Übernahme des Bestands übergegangenen Archivalien wurden in den vergangenen Jahren Vorträge auf verschiedenen mosaikbezogenen Fachtagungen gehalten.

 

Vorträge zu Heinrich Jungebloedt

12. bis 13. Oktober 2023   Eisenhüttenstadt in Zusammenarbeit mit dem BLDAM das Symposium "STATE OF THE ART: Zustand und Perspektiven baubezogener Kunst aus der DDR im Land Brandenburg"

Einführung zur Herstellung von Mosaiken in der DDR, mit dem Film "Ein Bild aus 100.000 Steinen" über die Entstehung des Wandmosaiks (Walter Womacka und Heirich Jungeboedt) im Rathaus. Danach Vortrag über die Herstellung von Mosaiken durch Heinrich Jungeboedt. Tag Zwei Symposium.

STATE OF THE ART – BLDAM

https://www.utopieundalltag.de/state-of-the-art-zustand-und-perspektiven-baubezogener-kunst-aus-der-ddr-im-land-brandenburg/ mit Programmhinweis

4. bis 6. Oktober 2022,   fünfte Dresdner Denkmalfachtagung "Bewahren?! Mosaiken und keramische Wandflächen in der Denkmalpflege", mit Publikation, Artikel Heinrich Jungebloedt (1894-1976) – Künstler und Mosaizist

 

Biografien

Heinrich Jungebloedt (1894-1976)

  • Heinrich Jungebloedt wurde 1894 in Witten an der Ruhr geboren
  • 1901-1913 Schulbesuch in Essen
  • 1913-1914 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
  • 1914-1920 Musterung, Grundausbildung und Kriegsteilnahme sowie fünf Jahre französische Gefangenschaft
  • 1920-1923 Fortsetzung des Studiums der "Wandmalerei" an der Essener Kunstschule (später "Folkwangschule")
  • 1923-1945 Anstellung bei der weltberühmten Firma Vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff, nach einer Studienreise zu den klassischen antiken Mosaiken Italiens Aufstieg zum künstlerischen Leiter (1925)
  • 1945 - 1976 Gründung und Leitung einer der eigenen Mosaikwerkstatt Heinrich Jungebloedt Mosaiken in Schulzendorf (Kreis Teltow) unter Mithilfe von Frau Elisabeth Jeske
  • 1946 bekommt er von der Direktion der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin-Schöneberg hohe Anerkennung: "Er sei der einzig wirkliche Experte auf dem Gebiet des künstlerischen Mosaiks"
  • 1948 Meisterprüfung des Mosaik-Handwerks vor der Handwerkskammer des Landes Brandenburg mit dem Prädikat "Sehr gut"
  • 1950 Der "Hauptausschuss für Kunsthandwerk des Landes Brandenburg" verleiht ein personengebundenes Gütezeichen u. a. an Heinrich Jungebloedt für dessen Produkte
  • 1951 -1976 Umfangreiche Arbeiten in Berlin und anderen Orten (Neubauprogramm, Repräsentativbauten, Kunst am Bau)
  • 03.1976 Heinrich Jungebloedt verstarb und fand auf dem Friedhof Eichwalde seine letzte Ruhestätte

 

Heinrich Jungebloedt

Heinrich Jungebloedt 1964

 

 

Jungebloedt Schulzendorf

Wohnhaus Karl-Liebknecht-Str. in Schulzendorf

Keller JungebloedtKellerräume und Arbeitsplatz von Helmut Mencke, 2018

 

Elisabeth Jeske (1921-2002)

  • Elisabeth Jeske wurde 1921 in Berlin geboren
  • 1928-41 Schule, kaufmännisch-technische Ausbildung
  • 1941-45 Angestellte in der Mosaik- und Glasmalereiwerkstatt von Puhl & Wagner in Berlin-Rixdorf
  • 1945-1976 Mitbegründerin der Mosaikwerkstatt Heinrich Jungebloedt Mosaiken
  • 1949 Lehrbrief im Mosaik-Kunst-Handwerk
  • 1954-1975 Meisterschule für das Kunsthandwerk Berlin
  • 1960 Meister für das Platten- und Fliesenlegerhandwerk
  • 1968 Vollmitglied Verbandes Bildender Künstler Deutschlands
  • 1976 Übernahme der Werkstatt nach dem Tod von Heinrich Jungebloedt
  • 1981-86 Restaurierung von Mosaiken aus Jordanien/Kilikien, Antiken-Sammlung Berlin
  • 1987 Restaurierung von Mosaiken des Berliner Doms
  • 1990 Mitglied des Verbandes Brandenburgischer Bildender Künstler e. V.
  • 1996 Bundesverdienstkreuz zur Anerkennung ihres Lebenswerkes
  • 2000 Ehrenbürgerin Schulzendorfs anlässlich der 625 Jahrfeier
  • 2002 verstirbt sie 81jährig nach unermüdlichem Schaffen

 

Elisabeth Jeske

Elisabeth Jeske vor 1985

 

Helmut Mencke (1944-2018)

  • Helmut Mencke wurde 1944 in Neuglobsow geboren
  • 1950-1960 Besuch der Grundschule in Schulzendorf und der Mittelschule in Eichwalde
  • 1960-1963 Berufsausbildung mit Abitur im Schwermaschinenbau in Wildau
  • 1963 bis 1969 Studium der Optik, Feinmechanik und Elektronik an der Technischen Hochschule in Ilmenau
  • 1969-1981 Entwicklungsingenieur für Hochenergiephysik in Zeuthen
  • 1981-1989 Entwicklungsabteilung des Kombinats für Oberbekleidung Berlin
  • nach 1989 Anstellung bei Elisabeth Jeske als Mosaizist
  • Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, er wurde E. Jeskes rechte Hand
  • 2002 Übernahme der Werkstatt nach dem Tod von Elisabeth Jeske
  • 2007 offizielles Ende der Werkstatt
  • 2007-2018 Helmut Mencke stand immer noch für Fachfragen zur Verfügung und gab Material für Restaurierungsarbeiten aus dem großen Fundus ab
  • 2018 verstarb Helmuth Mencke in Schulzendorf

 

Helmut Mencke 1993

Helmut Mencke 1993

 

Helmut Mencke 2015

Helmut Mencke 2015, Mitarbeit bei der Restaurierung des Papageienmosaiks, Pergamonmuseum